A Tass Kafä als Schweigegeld -

denn schließlich bin i do koa Verklaghaferl

Eine bayerische Geschichte - Verfasser unbekannt

De Gschicht liegt über fuchzg Jahr zruck, aber dro denka tua i heit no gern. Weihnachtn war grad vorbei und mir zwoa mei Grossa Bruada und i, ham uns no narrisch über unsere Gschenka gfreit. Da Bruada hat a Eisenbahn kriagt un i a Puppnküch.

Des war a bsondere Puppnküch. De hat nämli unser Vadda selber gmacht, und de Möbe warn haargenau wia de von unserer Wohnküch. Ausserm Küchnkastn, am Tisch, de Stui und am Sofa hats no a Beleuchtung und was des scheenste war, an Herd zum "echt kochen" gebn.

Glei nach de Feiertag san de Freind vom Bruada zum spuin kemma. Unser Mamm war an dem Tag ned dahoam, und so iss halt ziemli zuaganga. Da Bruada hat de Gleis für sein Zug um an Chrisbaam rumglegt und de drei Buam san aufm Bodn gflackt und warn ganz begeistert.

 

I hab mi für de Eisnbahn weniger interessiert, aber dass jetzt Bsuch da war, des war für mi günsti, denn so hab i endli wem zum eiladn ghabt.

„Mögts an Kafä?“ hab is gfragt und glei dazua gsagt, dass i Platzerl aa hätt. Also direkt abglehnt hams ned, aber zuagsogt hat aa koana. Also hab i in meim Herd mit Trockenspiritus a Feier gmacht und a Haferl Wasser aufgsetzt. In da Kafämüih hab i a paar Malzbohna gmahln und de ins lauwarme Wasser neigschmissn.

 

„So, da Kafä war ferti.“ Wunderschee hab i na an Tisch deckt mit vier winzige Tasserl und auf da Kuachaplattn a dabröslts Platzerl hergricht. „Jetzt wars so weit: Kemmts es zum Kafä?"

 

De Buam ham mi überhaupts ned beacht und so hab i halt no a paarmal gfragt. Wias grad Anstalten gmacht ham zum hergeh, da sagt mei lieba Bruada: "Des Gwaasch brauchts ned trinka, da werds eich bloß schlecht!" So was gscherts! Mit dera Behauptung hat er mir allas verdorbn. Mir war zum Heulen, und wia da Bruada des gsehgn hat, war sei oanziga Kommentar: "Hör die Zahnerei auf, zwengs dem Schmarrn brauchst ned woana!"

 

Aber dann is was passiert, und de Sach hat glei wieder anders ausgschaut: Wia da Zug grad wieder sei Rundn ziagt, springt er ausm Gleis und zwar genau im Eck hinterm Christbaam. Saubläd! Da Emil hat se sofort aufn Bauch gschmissn und is unterm Baam einitaucht. Wiara aber, mitm Zug in de Händ zruckrobbt, is er a weng unvorsichtig. Da Bruada hat no gschrian: "Mensch, pass auf, geh mit deim Hintern tiafa!" Aber es war z'spät. Da Christbaam is umgfalln und fünfe vo de scheenstn Kugln warn hi.


Des war a mittlschwere Katastrophe! Mit oam Schlag san alle drei dasi worn. Nachdems an Baam wieder aufgstellt und d Kuglscherm aufkehrt ham, is sofort "umdekoriert" worn. Alls hams frisch verteilt, damit ma de Löcher ned sehgn soll, de durch de fehladn Kugln entstandn san. I bin danebn gstandn und hab mi a bisserl gfreit.

 

„Lach ned so bläd, sunst fangst oane.“ hat da Bruada zu mir gsagt und na is no a fürchterliche Drohung kemma, falls i da Mamma was sag. S "vaklagn" war nämli mei oanzige Waffe, de i gegan Bruada verwendn hab könna, wenn er mirmal recht garsti zu mir war. "Mir trinka a dein Kafä, wennst nix sagst!" Na endli. I hab also schwörn müassn, dass i koa Wörterl sag und na ham de drei den Kafä rauszuzlt und des servierte Platzerl hat da Seppe ganz ungalant in sei Hand neigschütt und ins offene Mei gschmissn. Glei drauf san de Speze abghaut.


Soll i jetz no verzähln, wia de Sach nausganga is? Genau a so wia sie moana.
Unser Muadda hat bloß hingschagt aufn Baam, scho hats gwusst, was passiert is. Voller Entsetzn hats gfragt: "Ja wo san denn de scheena großn Kugeln vo unt?" I hab nix gsagt, Ehrnwort!

An Bruada hab i halt ogschaugt.