VON MANN ZU MANN

Text: Gerhard Krenn, Romeo Oswald

 

mit Gerhard Krenn und Mathias Steindl

G: (tritt singend auf und lässt ein Zelt los, das sich selbst aufbaut)       

Kumbayah, my Lord …

Die Lieder für ein Ferienlager sind immer die gleichen. Love and Peace!

 

How Many Roads must a …

Dabei is nix mehr mit Love and Peace. Aus der Friedensbewegung von damals (V-Zeichen) ist eine Hassgesellschaft geworden (I-Mittelfinger). Die Kinder machen sich bei jeder Gelegenheit gegenseitig fertig und stellen es ins Internet.

 

Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt, die ganze Affenbande brüllt.

So schaut nämlich die Wahrheit aus.

Aber ein erfahrener Pädagoge hat mir unlängst im Vertrauen gesagt: Weißt du, sogar die unsympathischsten Kinder lernt man lieben, wenn man die Eltern kennenlernt.

Stellen Sie sich vor: Da hat neulich ein Vater sein Kind vom Kindergarten abholen wollen. Fragt die Kindergärtnerin: „Und welches ist ihr Kind?“ Sagt der: „Is wurscht – i brings eh morgen wieder her.“

 

Wo ist die Kokosnuss, wo ist die Kokosnuss …

Bei dem Lied fallt mir ein, ich muss noch den Geländelauf organisieren, damit die Affen, also die Kinder – wissen, wo’s rasen – rennen sollen.

 

M:   Grüß Gott! –

 

G:   Um Gottes Willen! Der Oberaff’ – Hallo! Heute tun ma singen.

 

M:   Ja von mir aus. Aber i sing net.

 

G:   Na geh, schad! (reibt sich erfreut die Hände)  Hast eh recht.  Weil in eurer Anmeldung steht ja: In diesem Ferienlager darf jedes Kind das machen, was es am besten kann. Was kannst denn du am besten machen?

 

M:   Probleme!

 

G:   Das stimmt. Ich habe hier schon eine Menge schriftlicher Beschwerden von Eltern gekriegt. Dem Karli z.B. hast du am Schulschluss dein Zeugnis geborgt.

 

M:   Ja – i brauch’s net und er wollt‘ unbedingt sein‘ Vater schrecken.

 

G:   Und dem Hansi seine Eltern hast auch geschimpft.

 

M:   Des is net wahr! Der Hansi hat mi g’fragt, warum es nur eine Muttersprache gibt. Hab i g’sagt: Weil dein Vater nix zum Reden hat.

 

G:   Und über den Peter seine Mutter hast g’sagt, sie is schiach.

 

M:   Bitte, des is a net wahr!  I hab vom Peter nur a Taschenlampen wollen.

 

G:   Und wozu?

 

M:   I hab eahm g’sagt, jetzt geh ma ins Zelt von die Madeln.

 

G:   No und?

 

M:   Hat er g’sagt: Er hat noch nie gehört, dass ma dazu a Taschenlampen braucht. Und dann hab i g’sagt: Dann schau dir amoi dei  Muatter an.

 

G:   Sag mir, wo die Blumen blühn ... – Weißt du, Matthias, ich weiß, es ist deine Natur,  und die Natur kann gnadenlos sein. Es ist nicht leicht mit dir  – Hier steht z.B.: Die Maria beklagt sich, dass du sie dauernd anmeckerst.

 

M:   Die Maria is a a blede Goaß!

 

G:   So was sagt man nicht. Ziegen sind sehr nützliche Tiere. Weißt du warum?

 

M:   Freilich. Von der Goaß haben wir die Milch und vom Bock das Bier.

 

G:   (zum Publikum) Wenn man den sein Hirn auf Erbsengröße bringen möchte’, müaßat ma’s aufblasen. (leicht verzweifelt):   Weißt du, neben dir komme ich mir oft wirklich alt, nutzlos und dumm vor.

 

M:   Aber geh! Sie san doch net alt! – San Sie eigentlich schon verheiratet?

 

G:   Ja, seit 10 Jahren.

 

M:   Bumm! – Und wie lang‘ müssen’s noch?

 

G:   Wie meinst du das?

 

M:   Ganz einfach: Wo schauen Sie zuerst hin, wenn Sie eine schöne Frau sehen?

 

G:   Na ja, ehrlich g’sagt - I schau‘ z’erst, ob mei Frau herschaut.

 

M:   Eben! - Wissen Sie eigentlich, warum Glasaugen aus Glas san? – Damit ma durchschaun kann!

 

G:   (schlägt die Hände zusammen):  Matthias – ich glaube, seitdem du auf der Welt bist haben deine Eltern keine einzige Freude mehr g’habt.

 

M:   Eh net. Aber vorher.

 

G:   Warum kannst du dich nicht einmal irgendwo hinsetzen und ein gutes Buch lesen?

 

M:   Ja, meine Oma hat eh schon g’sagt, zum Geburtstag darf ich mir von ihr ein Buch wünschen.

 

G:   Und was hast dir gewünscht?

 

M:   Ihr Sparbuch.

 

G:   Zwickt’s mi, i man i tram ...  Was soll aus dieser Jugend werden? - Schau, Matthias, jetzt reden wir einmal ganz freundschaftlich miteinander. Von Mann zu Mann sozusagen. So wie Vater und Sohn.

 

M:   I hab schon an Vater. Und ich habe auch die Intelligenz von meinem Vater.

 

G:   Und dei  Mutter?

 

M:   Die hat ihre no.

 

G:   Aber du hast deinen Vater doch gern, oder?

 

M:   Ja, manchmal. Aber er is halt recht oft a Feigling.

 

G:   Wieso denn das?

 

M:   Immer wenn die Mama net daham is geht er zur Nachbarin.

 

G:   Er wird schon an Grund haben.

 

M:   Ja, i woaß eh. In der Nacht tuat er gern Frankfurter essen.

 

G:   Wieso weißt du das?

 

M:   Weil ich in der Früh am Nachtkastel die Haut liegen siech.

 

G:   Das ist vielleicht was anderes. - Aber schau -  ich habe auch von deinen Eltern einen Brief gekriegt. Und das ist sehr erfreulich. Während du nämlich hier bei uns warst hat der Storch für dich ein Geschwisterl  gebracht.

 

M:   (wenig erfreut):  No super.

 

G:   No, willst es nicht bald sehen?

 

M:   Na. -  Z’erst will i den depperten Storch sehn.

 

G:   (auch wenig erfreut):  Aha, das heißt also, du willst noch länger bei uns bleiben.

 

M:   Ja sicher, da is’s lustig. Besonders, wie wir gestern diese männlichen Prostituierten gezeichnet haben.

 

G:   Was habt’s gezeichnet?

 

M:   No die Strichmannderln.

 

G:   Großvater, kannst du net owekumman auf an schnelln Kaffee  – und dann nimmst den glei mit.  Was soll ich machen mit dir? Weißt was - Am liebsten würd‘ ich dir durchs Haar fahren.

 

M:   Ja, von mir aus.

 

G:   Dann leg di hin und i hol derweil das Auto. -  Na, weißt was? Mach was du willst.

 

M:   Oh ja! Bungeejumping!

 

R:   Nein, das kommt nicht in Frage. (zum Publikum) Da springt er endlich irgendwo owe, alle g'freun si und dann schnalzt er auf an Gummischnürl wieder z’ruck. – Na –

 

BEIDE:   Des halt i nimmer aus!

 

G:   Weil die wahre Hymne für ein Ferienlager ist ja eigentlich ...

 

BEIDE:   I wü wieder ham, tam daramtatatam - fühl mi da so allan ..

 

M:   Alplei!