FRAU GERDA

Text: Gerhard Krenn   (gekürzt)

 

 

Ja, was soll i sagen?

Mein g‘schiedener Mann – Gott hab ihn selig – hat immer schon gesagt: Gerda, hat er g’sagt, gehe hin zu den Verwirrten, denn sie bedürfen deiner.

Und jetzt bin ich da.

 

Wir haben uns immer schon sozial engagiert - vorallem in der Kirche.  Das war dann auch der Scheidungsgrund. Bei einem bundesweiten Kletterwochenende mit den katholischen Frauen hat er sich in der Nacht verstiegen und ist 20 cm abgestürzt. Er hat gehabt a wehe Schulter und i an guaten Scheidungsgrund.

Was mach i mit an Mann, der so leicht aus’n Bett fliagt? Überhaupt aus an Bett, wo er gar net hing'hört.

 

Ich hab dann auch aus anderen Gründen den Kontakt zur Kirche abgebrochen. In der Stadt is ja des leicht. Zum Beispiel - unser Pfarrer im Bezirk, der war zu dick.

I bin ja sowieso nicht oft in die Messe gangen, aber immer hat er g'sagt:  „Dies ist mein Leib“ – da hab i ma schon denkt: Na seavas, - und das letzte Mal hab ich meinen Sitznachbarn angsteßn und hab g'sagt: „Heans, da müssen aber vü Leut zur Kommunion gehen, damits den wegputzen!“

Der war dann glei bös und hat g’sagt, ich soll net so blöd daherreden und i soll außegehn, wenn i mi net auskenn‘ in der ... Euthanasie.

 

Ich hab mir dann gedacht: Machst des Naheliegenste - gehst von der Kirche in die Politik. Is ja im Prinzip genau das Gleiche. Eine Herde von Schafen jammert ständig „es is a Kreuz“, tuat selber nix und wart‘ auf an Erlöser.

 

Zuerst bin ich zur Elite gegangen, zur FPÖ. Ja, ich weiß, die sagen immer, sie sind gegen die Elite, aber für fast alle FPÖ-Politiker der letzten 30 Jahre gilt mittlerweile die Unschuldsvermutung. Also wenn das keine Elite is!

Habe ich mich also beworben als Dichterin, weil die stehen ja oft auf so klane Verserln.  Und da habe ich folgendes Werk verfasst:

              Für H.C.;

            Im Bierzelt, wo ich gröl‘ und kläff‘,

            da fühl‘ ich mich als großer Chef.

            Wir saufen keinen Huaschtensaft,

            es lebe uns’re Burschenschaft!

 

Ham’s g’sagt, des is z’lang, des merkt si kana von uns – und ham mi außeg’haut.

 

Dann bin i zu die Roten gangen und hab g’sagt: Österreich braucht mehr Wohnungen. Wenn auf der Pretul eh scho die Windradeln stehen, dann mach‘ ma aus der ganzen Rattner Alm an Gemeindebau - aber eh mit grüne Innenhöfe, damit si die Naturschützer net aufregen.

Dann hab i gschrian: Wir haben immer gern die Natur genossen, oder besser, Genossen, auch wir haben eine Natur!

Dann hams mi außeg’haut, weil ich nicht einmal hinterrücks „Freundschaft“ g’sagt hab.

 

Bin i zu die Grünen. Wegen der Natur. Und hab g’sagt: Eigentlich schad, dass es überhaupt Menschen gibt. I man, des muaß ma sich amoi vorstellen:

Wir machen alles für’n Fremdenverkehr, zerstören die Natur, nur damit dann hunderttausend fremde Leit sehn, wir hätten a Natur ghabt, von der ma ohne Fremdenverkehr a leben hätten können!

Ham die Grünen g’sagt: Ja – aber des müss' ma im Sitzkreis noch diskutiern.

 

Des hätt' ma z’lang dauert, bin i zu die Schwarzen. Sie, das war sehr erholsam! Da war alles so schwarz - des einzige, was i g’sehn hab, war – nix. Beruhigend.

Wenn da net hie und da a so genannter Lopatka-Furz aufg'stiegen wär, hätt si gar nix bewegt. Da sitzen’s alle in der politischen Mitte und lehnen sich z’ruck. Darum heißt der Parteiobmann auch MITTER-LEHNER.

 

Des war mir dann auch zu fad. Dann hat’s ma g‘reicht mit der Politik.

 

 

Ich bin dann Therapeutin geworden und hab mir eine Menschengruppe ausgesucht, die immer an Therapeuten braucht: Die Lehrer.

Mein erster Patient, der war arm. Der hat g’scheanglt. In der Klasse war das natürlich furchtbar. Die Kinder haben mit dem gemacht, was sie wollen, die haben ihn nur sekkiert. Dann hat er geweint. Dadurch ist das mit die Augen immer schlimmer geworden. Dann haben ihn die Kinder noch mehr sekkiert - Sie, der hat am Schluss dann schon so g’scheangelt – den san die Tränen den Rücken oweg’runna.

 

Ein Schicksal! Er hat dann den Dienst quittiert, hat Pädagogik studiert und ist jetzt in der Ausbildung tätig.

Und wir machen jetzt gemeinsam Krisenintervention für LehrerInnen mit leichtem Augenschaden.

Und weil ich mich ja schon vorher mit Malerei beschäftigt hab machen wir: Kunst als Therapie!

Da gehen wir in Schiele-Ausstellungen. Sitz ma als Gruppe im Halbkreis vor einem Bild, nehmen uns bei die Händ, schaun gradaus und diskutieren über die Nachbarbilder. Die einen übers linke, die andern über’s rechte. Aber es is eh wurscht. Wer hört an Lehrer schon zu?

  

Ich habe dann meine therapeutische Tätigkeit auch auf Wirtshäuser und sogar auf Faschingsgilden ausgedehnt. Da dürfen die Leute im Publikum auf Zetteln ihre lächerlichen Probleme aufschreiben.

 

Ich sage euch: Das ist so erschütternd, dass ich das heute gar nicht gemacht hab. Ich weiß eh, was dabei rauskommt.

 

1 % ist lustig, 80 % sind halblustig und die restlichen 19 %  - so viel Zwangsjacken haben wir gar nicht.

Auf 85 % der Blätter sind dann Fettflecken, auf 97 % sind Rotwein- oder Bierflecken, 92 % sind zerknittert und 68 % haben außerdem noch eine Schrift, dass der Sau graust.

Und das ärgste is:

Ein halbes Prozent ist so deppert, dass sie sich auf a Bühne stellen und der Rest is ang’soffen.

(zückt eine Schnapsflasche)

Und deshalb sage ich: Nein – ich will nicht mehr zu diesem halben Prozent gehören und geselle mich zu euch!  (Schluck)  Prost!

(Ab)